Ratgeber
Bodenrichtwert: Was er über Ihr Grundstück aussagt – und was nicht
Der Bodenrichtwert ist der bekannteste Wert rund ums Grundstück – und der am häufigsten missverstandene. Was dahintersteckt und wie Sachverständige ihn nutzen.
Der Bodenrichtwert ist der durchschnittliche Lagewert des Bodens je Quadratmeter für ein bestimmtes Gebiet – ermittelt vom örtlichen Gutachterausschuss aus tatsächlich beurkundeten Kaufpreisen (§ 196 BauGB). Er ist damit eine amtliche, neutrale Größe und für jedermann kostenlos einsehbar, in Niedersachsen und NRW über die BORIS-Portale.
So nützlich der Bodenrichtwert ist: Er ist ein Zonen-Durchschnitt, kein Wert für Ihr konkretes Grundstück. Wer ihn einfach mit der Grundstücksfläche multipliziert, liegt schnell daneben.
Warum Ihr Grundstück vom Richtwert abweichen kann
- Größe und Zuschnitt: Der Richtwert gilt für ein typisches Richtwertgrundstück der Zone. Übergroße, sehr schmale oder ungünstig geschnittene Grundstücke werden am Markt anders bepreist.
- Bebaubarkeit: Zulässige Geschossflächen, Baulasten oder Bauerwartung verändern den Wert erheblich – der Richtwert bildet nur den Zonen-Standard ab.
- Mikrolage: Ecklage, Lärm, Aussicht oder Nachbarschaft können innerhalb derselben Zone spürbare Zu- und Abschläge bedeuten.
- Rechte und Belastungen: Wegerechte, Leitungsrechte oder Erbbaurecht mindern den Wert – im Richtwert stecken sie nicht.
Wofür der Bodenrichtwert wirklich gebraucht wird
In der professionellen Wertermittlung ist der Bodenrichtwert ein Ausgangswert, der an das konkrete Grundstück angepasst wird: im Sachwertverfahren als Basis des Bodenwerts, bei der Kaufpreisaufteilung in Grund und Gebäude für die AfA und in der typisierten Bewertung des Finanzamts. Eine erste Rechenhilfe bietet unser Grund-und-Boden-Rechner.
Gerade weil das Finanzamt mit Bodenrichtwerten rechnet, entstehen bei besonderen Grundstücken oft überhöhte Steuerwerte – wie ein Gutachten dann hilft, lesen Sie im Ratgeber Immobilienbewertung im Erbfall.
Häufige Fragen
Wo finde ich den Bodenrichtwert für mein Grundstück?
Kostenlos in den BORIS-Portalen der Bundesländer (z. B. BORIS Niedersachsen oder BORIS NRW). Dort geben Sie die Adresse ein und sehen den Richtwert der zugehörigen Bodenrichtwertzone.
Ist der Bodenrichtwert der Wert meines Grundstücks?
Nein. Er ist ein durchschnittlicher Lagewert für eine ganze Zone. Der Wert Ihres konkreten Grundstücks kann wegen Größe, Zuschnitt, Bebaubarkeit oder Besonderheiten deutlich davon abweichen.
Wie aktuell sind Bodenrichtwerte?
Die Gutachterausschüsse beschließen sie regelmäßig neu, in der Regel jährlich oder alle zwei Jahre, jeweils zu einem festen Stichtag. In schnell drehenden Märkten kann der Markt dem Richtwert daher etwas vorauslaufen.
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