Ratgeber · Steuer & Abschreibung

Grund und Boden berechnen: Kaufpreis in Grundstücks- und Gebäudeanteil aufteilen

Warum nur der Gebäudeanteil abschreibbar ist, wie das Finanzamt rechnet – und wie Sie den Kaufpreis nachvollziehbar aufteilen. Mit kostenlosem Rechner, Rechenbeispiel, Schrittfolge und Hinweisen zur Dokumentation.

Beim Immobilienkauf zählt nicht nur der Preis – sondern auch die nachvollziehbare Aufteilung in Grundstück und Gebäude. Denn nur der Gebäudeanteil ist abschreibbar; Grund und Boden nutzt sich nicht ab. Je höher der Gebäudeanteil, desto höher die jährliche AfA – und desto geringer die Steuer auf die Mieteinnahmen.

Hier finden Sie einen kostenlosen Rechner, ein Rechenbeispiel, eine klare Schrittfolge und das, was auf den meisten Seiten fehlt: wie das Finanzamt rechnet, wann Sie dessen Aufteilung nicht hinnehmen müssen – und wann sich ein Gutachten zur Kaufpreisaufteilung lohnt.

Hinweis: Der Rechner liefert eine rechnerische Orientierung. Für strittige Fälle (z. B. außergewöhnlicher Zustand, Sanierungsstau, Erbbaurecht, Spezialimmobilien) ist eine sachverständige Herleitung die stabilere Lösung.

Warum die Aufteilung in Grund und Boden vs. Gebäude so wichtig ist

Bei Kauf, Erbe, Schenkung oder Finanzierung hilft eine plausible Kaufpreisaufteilung, den abschreibbaren Gebäudeanteil korrekt zu ermitteln. Wird der Bodenanteil zu hoch angesetzt, schrumpft die AfA-Basis – und damit Jahr für Jahr der steuerliche Effekt, über die gesamte Abschreibungsdauer.

1) Bodenwert: Lage schlägt alles

Der Bodenwert wird aus Grundstücksfläche und Bodenrichtwert abgeleitet – ergänzt um Objektmerkmale (Zuschnitt, Erschließung, baurechtliche Ausnutzbarkeit). Die amtlichen Bodenrichtwerte für Niedersachsen veröffentlichen die Gutachterausschüsse; für Nordrhein-Westfalen gibt es das Portal BORIS.NRW.

2) Gebäudewert: der AfA-relevante Teil

Der Gebäudewert hängt von Baujahr, Zustand, Ausstattung und Nutzung ab. Für eine belastbare Argumentation gegenüber dem Finanzamt ist eine nachvollziehbare Methode entscheidend – nicht eine runde Quote aus dem Bauch.

3) Dokumentation: das unterschätzte Extra

Oft scheitert es nicht am Ergebnis, sondern an der Nachvollziehbarkeit. Wer Rechenweg, Quellen (Richtwerte) und Annahmen sauber ablegt, reduziert Rückfragen deutlich.

Kostenloser Grund-und-Boden-Rechner

Tragen Sie die Eckdaten ein und erhalten Sie eine orientierende Aufteilung des Kaufpreises in Grundstücksanteil und Gebäudeanteil. Bei vermieteten Objekten können Sie zusätzlich die ertragswertnahe Logik nutzen (Jahresreinertrag, Liegenschaftszins, Vervielfältiger).

Nur der Gebäudeanteil ist abschreibbar.

Tipp: Nutzen Sie den Ertrags-Modus vor allem bei vermieteten Objekten (Rendite-/Ertragsbezug). Für reine Eigennutzung liefert der einfache Modus oft eine schnelle Orientierung – ersetzt aber keine Einzelfallprüfung.

Ergebnis · unverbindliche Orientierung
Bodenwert (Richtwert × Fläche)–
Vorläufiger Gebäude-Wert (rechnerisch)–
Gebäudeanteil am Kaufpreis–
Anteil Grund & Boden am Kaufpreis–

Geben Sie links Ihre Daten ein und klicken Sie auf „Jetzt berechnen“.

Rechenbeispiel

So sieht die Aufteilung konkret aus

Ein vermietetes Einfamilienhaus wird für 400.000 € gekauft. Das Grundstück ist 600 m² groß, der Bodenrichtwert beträgt 250 €/m². So entsteht die Aufteilung im einfachen Modus:

SchrittRechnungErgebnis
Bodenwert600 m² × 250 €/m²150.000 €
Gebäudewert (rechnerisch)400.000 € − 150.000 €250.000 €
Anteil Grund und Boden150.000 / 400.00037,5 %
Gebäudeanteil = AfA-Basis250.000 / 400.00062,5 % → 250.000 €
Jährliche AfA (2 %, Baujahr vor 2023)250.000 € × 2 %5.000 €

Setzt das Finanzamt den Bodenanteil stattdessen mit 50 % an, sinkt die AfA-Basis auf 200.000 € – das sind 1.000 € weniger Abschreibung pro Jahr, über die gesamte Nutzungsdauer. Genau deshalb lohnt es sich, die Aufteilung nicht dem Zufall zu überlassen.

Finanzamt

So rechnet das Finanzamt – und warum Sie das nicht hinnehmen müssen

Die Arbeitshilfe des Bundesfinanzministeriums ist eine Schätzhilfe, keine Vorschrift.

Das Bundesfinanzministerium stellt eine Arbeitshilfe zur Kaufpreisaufteilung bereit – eine Excel-Datei, mit der die Finanzämter den Kaufpreis nach einem typisierten Sachwertverfahren auf Grund und Boden und Gebäude verteilen. Eingaben sind im Wesentlichen Bodenrichtwert, Grundstücksgröße, Wohnfläche, Baujahr und Gebäudeart. Viele Finanzämter übernehmen das Ergebnis ohne weitere Prüfung.

Das Problem: Die Arbeitshilfe rechnet mit pauschalen Herstellungskosten und berücksichtigt weder den tatsächlichen Zustand noch Modernisierungen oder Besonderheiten des Grundstücks. In gefragten Lagen mit hohen Bodenrichtwerten landet sie deshalb häufig bei einem sehr hohen Bodenanteil – und einer entsprechend kleinen AfA-Basis.

Der Bundesfinanzhof hat 2020 entschieden (Az. IX R 26/19): Die Arbeitshilfe ist für Gerichte und Steuerpflichtige nicht bindend. Wer die Aufteilung des Finanzamts für unzutreffend hält, kann sie mit einem Sachverständigengutachten widerlegen – im Streitfall muss das Finanzgericht ein solches Gutachten einholen. Und: Eine im Kaufvertrag vereinbarte Aufteilung ist grundsätzlich maßgeblich, solange sie wirtschaftlich haltbar ist und nicht nur zum Schein getroffen wurde.

  • Vor dem Kauf: Aufteilung im notariellen Kaufvertrag vereinbaren – mit realistischer, begründbarer Quote.
  • Nach dem Kauf: Aufteilung in der ersten Steuererklärung mit Rechenweg und Quellen belegen.
  • Wenn das Finanzamt abweicht: Einspruch gegen den Bescheid (Frist: ein Monat) und sachverständige Herleitung nachreichen.

Die 6 Schritte – so entsteht eine nachvollziehbare Aufteilung

Sie wollen nicht blind rechnen, sondern verstehen? So gehen Sie strukturiert vor – inklusive Rechenweg für Ihre Unterlagen.

Schritt 1: Bodenwert

Bodenrichtwert × Grundstücksfläche. Ergänzend: Besonderheiten des Grundstücks (Ecklage, Zuschnitt, Erschließung, Baurecht).

Schritt 2: (Optional) Bodenverzinsung

Im ertragswertnahen Ansatz wird der Bodenwert mit dem Liegenschaftszins verzinst und vom Reinertrag abgezogen.

Schritt 3: Gebäudewert ableiten

Mit Vervielfältiger × modifiziertem Reinertrag erhalten Sie einen rechnerischen Gebäudewert (Orientierung). Im einfachen Modus ist der Gebäudewert der Kaufpreis abzüglich des Bodenwerts.

Schritt 4: Verhältnis bilden

Gebäude / (Gebäude + Boden) und Boden / (Gebäude + Boden) liefern das Verhältnis für die Kaufpreisaufteilung.

Schritt 5: Auf Kaufpreis anwenden

Die Quoten werden auf den tatsächlichen Kaufpreis übertragen – daraus folgen Gebäudeanteil (AfA-Basis) und Bodenanteil. Anschaffungsnebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notar, Makler) werden im selben Verhältnis aufgeteilt.

Schritt 6: Dokumentieren

Quellen notieren (Richtwert mit Stichtag, Annahmen), Rechenweg sichern, Ergebnis als Anlage zur Steuererklärung ablegen – das hilft bei Rückfragen.

Häufige Fragen zur Aufteilung von Grund und Boden

Kurz, klar, praxisorientiert – damit Sie typische Situationen direkt einordnen können.

Was, wenn im Kaufvertrag keine Aufteilung steht?

Dann müssen Sie die Aufteilung anderweitig herleiten (Bodenrichtwert × Fläche plus eine plausible Gebäudewert-Logik) und sauber dokumentieren. Das Finanzamt greift sonst zur eigenen Arbeitshilfe. Eine nachvollziehbare Anlage zur Steuererklärung reduziert spätere Diskussionen deutlich.

Ist die Arbeitshilfe des Finanzamts verbindlich?

Nein. Der Bundesfinanzhof hat 2020 klargestellt, dass die BMF-Arbeitshilfe nur eine Schätzhilfe ist. Weicht sie erkennbar vom tatsächlichen Wertverhältnis ab – etwa wegen des Gebäudezustands, Modernisierungen oder Grundstücksbesonderheiten –, geht ein Sachverständigengutachten vor.

Erkennt das Finanzamt die Aufteilung aus dem Kaufvertrag an?

Grundsätzlich ja: Eine von Käufer und Verkäufer im notariellen Vertrag vereinbarte Aufteilung ist maßgeblich, wenn sie die wirtschaftlichen Verhältnisse realistisch abbildet. Nur wenn sie offensichtlich unhaltbar ist (z. B. Bodenanteil weit unter dem Bodenrichtwert), darf das Finanzamt sie verwerfen.

Wo finde ich den Bodenrichtwert für mein Grundstück?

Bei den Gutachterausschüssen für Grundstückswerte – in Niedersachsen online im Bodenrichtwert-Portal, in Nordrhein-Westfalen über BORIS.NRW. Maßgeblich ist der Richtwert zum Stichtag des Kaufs; achten Sie auf die Zone und darauf, ob der Richtwert für erschlossenes Bauland gilt.

Wie wird der Bodenanteil bei einer Eigentumswohnung ermittelt?

Über den Miteigentumsanteil: Bodenwert des Gesamtgrundstücks (Bodenrichtwert × Fläche) multipliziert mit dem Miteigentumsanteil aus der Teilungserklärung. Bei Wohnungen in Mehrfamilienhäusern ist der Bodenanteil meist deutlich kleiner als bei Einfamilienhäusern – die AfA-Basis entsprechend höher.

Was gilt bei geerbten oder geschenkten Immobilien?

Bei unentgeltlichem Erwerb gibt es keinen Kaufpreis, der aufzuteilen wäre: Sie führen die Abschreibung des Vorbesitzers mit dessen Anschaffungskosten und Aufteilung fort. Eine neue Aufteilung wird erst wichtig, wenn Sie Miterben auszahlen (dann liegt insoweit ein Kauf vor) – oder wenn die Immobilie für die Erbschaft- oder Schenkungsteuer bewertet werden muss.

Kann man die Aufteilung später noch ändern?

In der Praxis ist eine Korrektur möglich, solange der Bescheid noch nicht bestandskräftig ist oder neue Erkenntnisse vorliegen. Entscheidend ist, dass die Argumentation schlüssig ist und die Unterlagen vollständig sind. Nach Bestandskraft wird es schwierig – deshalb lohnt sich die Sorgfalt gleich zu Beginn.

Welche Fehler führen am häufigsten zu Rückfragen?

Typisch sind: Richtwert ohne Quelle oder falscher Stichtag, unplausible Quoten, fehlende Objektbesonderheiten, keine Erläuterung der Methode – oder ein Ergebnis, das offenkundig nicht zum Markt passt.

Reicht der Rechner für sichere Steuerunterlagen?

Der Rechner liefert eine Orientierung und einen dokumentierbaren Rechenweg. Für komplexe oder strittige Fälle – oder wenn es um größere Beträge über viele Jahre geht – ist eine sachverständige Kaufpreisaufteilung sinnvoll, vor allem, wenn Objektzustand, Sonderrechte oder Besonderheiten das Verhältnis beeinflussen.

Unsere Leistung

Gutachten zur Kaufpreisaufteilung

Wenn es um größere Beträge über viele Jahre geht, lohnt sich die sachverständige Herleitung.

Als zertifizierte Sachverständige ermitteln wir die Anteile von Grund und Boden und Gebäude nach den Verfahren der ImmoWertV – mit Ortstermin, tatsächlichem Gebäudezustand, Bodenrichtwert und den Daten des Gutachterausschusses. Das Ergebnis ist eine nachvollziehbare, zur Vorlage beim Finanzamt geeignete Aufteilung, die der pauschalen Arbeitshilfe entgegengehalten werden kann.

  • Kaufpreisaufteilung für Kauf, Erbschaft oder Schenkung – häufig kombiniert mit einem Gutachten zur Restnutzungsdauer, das die AfA zusätzlich erhöhen kann.
  • Wertermittlung bei Erbschaft und Schenkung: Bei unentgeltlichem Erwerb führen Sie die AfA des Vorbesitzers fort; für eine spätere Vermietung oder den Nachweis gegenüber dem Finanzamt hilft ein Verkehrswertgutachten.
  • Prüfung eines Finanzamts-Bescheids: Wir prüfen, ob die Arbeitshilfe Ihr Objekt realistisch abbildet, und begründen die Abweichung.

Wie sich Aufteilung und Nutzungsdauer auf Ihre Steuer auswirken, zeigt unser AfA-Rechner. Sie erhalten vorab ein Festpreisangebot; die Erstberatung ist kostenlos und unverbindlich. Schildern Sie uns kurz Ihr Objekt.

Sie wollen die Aufteilung belastbar und verständlich begründet?

Wenn es um Steuer, Erbe, Scheidung oder Finanzierung geht, lohnt sich eine saubere Herleitung. Wir bestimmen das Verhältnis nachvollziehbar – inklusive klarer Dokumentation für Ihre Unterlagen und, auf Wunsch, Erläuterung gegenüber dem Finanzamt.

Telefon: +49 (0) 541 600 99 220 · E-Mail: info@lasarz.com · Standort: Katharinenstraße 111, 49078 Osnabrück

Hinweis: Der Rechner liefert eine unverbindliche Orientierung und stellt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall dar. Bitte lassen Sie Ihren konkreten Fall von einem Steuerberater, Notar und/oder Rechtsanwalt prüfen. Alle Angaben und Berechnungen ohne Gewähr; maßgeblich ist der Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

Aufteilung wasserdicht begründen lassen?